Endless Wellness – Domino Days
Nachdem Endless Wellness bereits 2024 mit ihrem stürmischen Debüt Was für ein Glück die deutschsprachige Indie-Szene im Sturm eroberten – inklusive ausverkaufter Tourneen und zweier Amadeus-Nominierungen –, feiert die Band nun die Veröffentlichung ihres zweiten Longplayers Domino Days. Nach den ersten turbulenten Erfolgen findet die Formation auf der neuen Platte auch Momente des Durchatmens und Innehaltens. Doch das grundlegende Versprechen bleibt bestehen: Kein Track wird übersprungen. Das Album funktioniert wie jene großen Scheiben früherer Tage, auf die man geduldig wartet, sich Zeit nimmt und mit jedem Hördurchgang – ähnlich wie beim Filmklassiker Zurück in die Zukunft – wieder neue, überraschende Details entdeckt.
Über allen Songs schwebt die ausgestreckte Hand des Miteinanders („So allein sollen wir nie wieder sein“). Die Band beleuchtet schwere Gegenwartsfragen – von Leerstandspolitik und zusammenbrechenden Festungen über den Rückzug ins Private bis hin zu einsamen Kindheiten. In „Nur das Beste“ gelingt ihnen mit der Zeile „Das Jetzige ist das Verletzlichste“ eine der treffendsten Gegenwartsdiagnosen der jüngeren Musikgeschichte. Doch selbst die Schwere trägt stets eine befreiende Leichtfüßigkeit in sich: Es darf gestreichelt, gewütet, getanzt und herausgeschrien werden.
In leicht veränderter Konstellation zeigen sich Adele Ischia, Philipp Auer, Milena Klien und Patrick „Pata“ Huter voller Tatendrang. Zum ersten Mal steuert Bassistin Milena Klien zwei eigene Songs bei. Gemeinsam mit Produzent Jakob Herber haben sie ihre klangliche Identität mutig weiterentwickelt.
Neben treibenden Gitarren, schillernden Drums und unverblümten Synths bereichern zarte Geigen, ein Vibraphon und sogar eine elektrische Zahnbürste das Soundgewand. In einem besonders feinen Moment spaziert die besungene Katze direkt aus den Lyrics heraus über die Klaviertasten.
Photo Credit: Luca Celine