CategoriesSONGS

Berglind – Streichelzoo

Es ist verlockend einfach, sich streicheln zu lassen: ein Nicken hier, ein anerkennendes Schulterklopfen da. Das wohlige Gefühl, gemocht, gebraucht und gesehen zu werden, birgt jedoch eine gefährliche Falle. Mit „Streichelzoo“ liefert Berglind den Titeltrack und das gedankliche Herzstück ihres kommenden Longplayers ab. Statt einer pathetischen Befreiungshymne inszeniert die Musikerin den Song als schonungslosen, aber augenzwinkernden Blick in den Spiegel – ein akustisches Ertappen der eigenen Reflexe, bei dem Wegschauen zwecklos ist.

Sowohl textlich als auch in der Haltung entlarvt die Nummer die Mechanik gesellschaftlicher Anpassung. Der Begriff „Streichelzoo“ fungiert als doppelbödige Metapher. Es ist ein Ort, an dem Nähe institutionalisiert ist und das Niedliche, Zahme und Gefällige als Grundvoraussetzung gilt.